Macht die geplante Fußgängerzone aus der Oxford Street einen Oxford-Zirkus?

10.11.2017 13:53

Zum Wochenende berichten wir in den ELEKTROFAHRRAD24-News ja gerne mal über verkehrspolitische Themen. Die gibt’s heute zwar auch, aber leider muss man sie wohl unter der Rubrik „gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“ einordnen.

Denn in London schüttet man derzeit im Bemühen, die Stadt verkehrszuberuhigen, gleich das Kind mit dem Bade (oder besser: mit dem Rade) aus. Doch der Reihe nach.

London, ein Mekka für den Radverkehr?

Hatte die britische Hauptstadt sich unter ihrem letzten Bürgermeister Boris Johnson (der, inzwischen Außenminister, eine steile Karriere als Brexit-Hofnarr hinlegt) einen respektablen Ruf als Fahrradmetropole erworben – unter anderem dank des brandneuen North-South Cycle Superhighway – , bestand unter Johnsons Nachfolger Sadiq Khan durchaus Hoffnung, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden würde.

Denn die konträre Konstellation der beiden Männer kann man sich in etwa so vorstellen, als sei in den USA auf einen Trump ein Obama gefolgt (und nicht etwa andersherum). Auf der einen Seite der stets etwas tumb wirkende Johnson, auf dessen Kopf sich ein Albino-Frettchen eingenistet zu haben schien; auf der anderen Seite der smarte, gutaussehende Khan mit multikulturellem Hintergrund.

Doch Sadiq Khans jüngster Vorschlag schlägt hohe Wellen . Andrew Gilligan, der ehemalige Cycling Commissioner für London, also der einstige Oberste Fahrradverkehrsbeauftragte, fürchtet gar, dass die Radwege unter Khan eher ab- denn zunehmen werden.

Die am stärksten vergiftete Straße der Welt

Der Prachtboulevard Oxford Street, eine der „bedeutendsten und berühmtesten Einkaufsstraßen der Stadt und zudem eine der umsatzstärksten Europas“, ist außerdem die wichtigste Ost-West-Verbindung im Zentrum Londons. Aufgrund ihrer enormen Verkehrsbelastung und der höchsten, jemals gemessenen Stickstoffdioxid-Belastung gilt die Oxford Street als „am stärksten vergiftete Straße der Welt“. (Mexiko-Stadt und Peking sagen: „Halt' mal mein Bier!)

In einer ersten Gegenmaßnahme wurde die Straße zwischen sieben Uhr morgens und sieben Uhr abends für PKW und Lastwagen gesperrt und nur für städtische Omnibusse und Taxis freigegeben. Mitte 2016 fuhren zur Hauptverkehrszeit noch über 150 Busse pro Stunde.

Fußgängerzone mit Breitenwirkung

Nicholas Hutchinson, „Oxford Street London“. Bildquelle: flickr.com

Nun soll Oxford Street eine Fußgängerzone werden. Schön, denkt man sich, gut. Aber nicht nur die Busse sollen nicht mehr fahren dürfen, sondern auch Fahrräder. Denn man fürchtet Kollisionen. Für Gilligan ist die Aussage, dass Fahrradfahrer und Fußgänger auf einer fast 25 m breiten Straße nicht friedlich koexistieren können sollen, schlichtweg ein fatales Signal, mehr noch, ein Disaster. Denn die Maßnahme würde über 2.000 Radfahrer täglich treffen (in manchen Bereichen sogar mehr als 5.000). Die Prognose ist, dass viele von ihnen das Verbot ignorieren werden und dies wiederum das gesellschaftliche Klima zu Ungunsten des Radverkehrs beeinflussen wird.

Zur Stunde bringt es ein diesbezüglicher Artikel im Guardian Bike Blog auf fast 900 Kommentare. Die Diskussion ist durchaus auch als allgemeiner Diskurs zum Thema Verteilung/Teilhabe im städtischen Raum zu sehen (sind Euch ähnliche Pläne aus deutschen Großstädten bekannt?). 

Wir bleiben gespannt – ein Shopping Trip in London stünde ja eigentlich auch mal wieder an …

Ein schönes Wochenende allen – keep calm and cycle on!

Bildquelle Vorschaubild: Alex Dawson/Perth, Australia über Wikimedia Commons