Katzen(augen)jammer: wie sich das Fahrrad seit den 80ern verändert hat (und wir reden nicht mal vom Motor)

18.01.2018 08:00

Von Jungfrauen, Spätzündern und Early Adoptern

Mein erster Laptop? Ein Ausrangierter meines Mannes, nachdem ich noch vehement den Riesenrechner verteidigt hatte, der eigentlich Untermiete hätte zahlen müssen, weil er die halbe Studentenwohnung belegte. Mein erstes Smartphone? Ein Abgelegtes meines Mannes. Wenige Monate, nachdem ich ihm die Leviten gelesen hatte, ob er verrückt sei, für ein TELEFON so viel Geld hinzublättern, waren mein „Smartie“ und ich unzertrennlich. Und mein erstes eBike? Ihr ahnt es: zwar kein Abgelegtes, aber doch Second Hand, diesmal vom Mann gesponsert, vermutlich, weil er sich keine sinnlosen Diskussionen darüber anhören wollte, was das nun wieder kostet und dass ich doch noch nicht im Rentenalter sei.

(Dass das Ding zwischen mir und meinem eBike inzwischen harte Liebe ist, muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen.)

Was ich damit sagen will: ich bin nicht gerade ein Early Adopter. State-of-the-Art-Technologie kommt zu mir wie das Kind zur Jungfrau. Und genau deswegen bin ich jüngst etwas nostalgisch geworden, als der Pressedienst Fahrrad (pd-f) zur „80er-Party“ lud und fragte „Was wurde aus den Klassikern?“.

Vintage-Fahrrad. Bildquelle: pixabay.com

Das Fahrrad in den 80ern

Denn alles, was dort an typischen 80er-Jahre-Fahrrad-Features aufgezählt wird, stellte bis zu besagtem ersten eBike meinen Stand der Technik meines vorigen Drahtesels dar: der Seitenläuferdynamo (für die Jüngeren unter Euch: mit einem Seitenläufer Licht zu generieren, ist in etwa so, als würde man im Eco-Modus einen Berg hochhecheln), die Katzenaugen (einer dieser Speichenreflektoren brach grundsätzlich ab), die Drei-Gang-Schaltung (Schalten und Strampeln, aus heutiger Sicht), und die gute, alte Rücktrittbremse, von der der pd-f díplomatisch vermerkt, „ältere Fahrer versprechen sich aus der Gewohnheit mehr Sicherheit und wollen sie nicht missen“. (Danke, so charmant wurde ich selten zum Alteisen erklärt.)

Während also „die besten Songs der 80er“ weiterhin den Äther über Deutschland beschallen, haben sich die obigen Gadgets langsam, still und leise verabschiedet. An ihre Stelle sind überarbeitete Gesetzgebungen z. B. zur Beleuchtung getreten, und mit ihr haben neue, innovative Beleuchtungslösungen Einzug gehalten wie z. B. die Scheinwerfer von SUPERNOVA mit Fern- und Abblendlicht oder aber das magniglight. Witterungsunabhängige Nabendynamos sind so selbstverständlich geworden, dass wir auf unserem ELEKTROFAHRRAD24-Magazin zuletzt 2013 erläuternd darüber berichteten.

Samtzungen und Leuchtringe

Wer Katzenaugen vermisst, kann seinen Kummer mit Schokolade bekämpfen (wir empfehlen Katzenzungen), oder aber sich daran erfreuen, dass reflektierende Reifen die bessere Alternative sind, weil sie „extrem hell“ „genau in Richtung der Lichtquelle strahlen“.

Schalten und Warten

Dreigangschaltungen wurden zunächst um ihr Vielfaches aufgestockt, ehe sich die Erkenntnis durchsetzte, dass mehr Gänge nicht das Non plus Ultra sind. Wichtiger sind Abstufung, Übersetzungsbreite und Bedienkomfort. So werden heute vor allem bei City-eBikes 8-, 11- und 14-Gang-Schaltungen verbaut. Es gibt aber auch Anbieter wie den Retro-Klapprad-Hersteller Brompton, die nach wie vor klassische Drei-Gang-Schaltungen anbieten.

Rücktritt auf dem Rückschritt

In Gefahrensituation volle Kanne in die Rücktrittbremse zu steigen, hatte immer etwas Heldenhaftes, glich einem Urinstinkt. Der Effekt war ein “Ganz-oder-gar-nicht” , Dosierung Glückssache, und bergab geriet man gewaltig ins Schlittern. Daher „haben sich in den letzten Jahren neben Felgenbremsen vor allem hydraulische Scheibenbremsen etabliert“ – mit Ausnahme von Kinderfahrrädern, wo die Rücktrittbremse immer noch serienmäßig verbaut wird. Für eMTBS empfehlen wir z. B. die Magura STIGMA Sechs- Kolben-Scheibenbremse. Welche anderen Bremstypen es noch gibt, haben wir hier zusammengefasst.

Den ausführlichen Bericht inklusive der Einschätzung führender Hersteller findet man auf pd-f.de. Noch ein Tipp für Nostalgiker: wer mal so richtig in Fahrrädern der 80er schwelgen will, sollte sich die NETFLIX-Serie STRANGER THINGS nicht entgehen lassen.


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