Elektromobilität: keine Batteriezellenproduktion und -forschung bei BOSCH

02.03.2018 17:00

Bömbchen bei BOSCH: Unternehmen gewährt Einblick in Elektromobilitäts-Strategie

Nicht etwa (nur) mit einer schnöden Pressemitteilung, nein gleich mit einer langen Rede eines Geschäftsführers begründet Zulieferer BOSCH seine Entscheidung, auch zukünftig keine eigene Batteriezellfertigung anzustreben und sich sogar aus deren Erforschung weitgehend zurückzuziehen.

Gleich zu Beginn seiner eindrucksvoll langen Rede beendet der Vorsitzende des Unternehmensbereichs Mobility Solutions bei BOSCH, Dr. Rolf Bulander, Spekulationen der vergangenen Monate: „Steigt Bosch in die Batteriezellfertigung ein? Die Antwort lautet ‚nein‘. BOSCH wird auch in Zukunft Zellen zukaufen und daraus Batterien zusammenbauen. Wir sind zur Überzeugung gelangt, dass Batteriezellen langfristig ein standardisiertes Massenprodukt sein werden. Wir müssen die Zelle technisch verstehen, wir müssen sie nicht fertigen. Wir wissen jetzt, dass wir auch ohne eigene Zellfertigung in der Elektromobilität führend sein werden. Die Zellfertigung ist für unseren Erfolg nicht ausschlaggebend. Denn auch für die Zelle gilt: Sie ist nur eine Komponente eines Gesamtsystems, entscheidend wird die Systemkompetenz sein. Das heißt, wir werden das tun, was wir seit Jahren schon erfolgreich machen: Zellen gemeinsam mit Lieferanten spezifizieren, diese dann zukaufen und mit Hilfe unserer Elektronikkompetenz in Batteriesystemen bündeln und veredeln.“

Wer sich für die Thematik eingehend interessiert, wird mit der Rede interessante Einblicke in die Unternehmensstrategie der Zukunft gewinnen.

Für alle Anderen hier unsere ELEKTROFAHRRAD24-Kurzfassung.

Die Elektromobilitäts-Strategie von Bosch in der Übersicht

Infografik Marktführerschaft Elektromobilität. Quelle: bosch-presse.de

Infografik Marktführerschaft Elektromobilität. Quelle: bosch-presse.de

  • BOSCH strebt bis 2020 Marktführerschaft im Massenmarkt für Elektromobilität an
  • Die BOSCH-Strategie kombiniert „System-Know-how, Energieeffizienz und Standardisierung
  • BOSCH erachtet „eigene Zellfertigung nicht ausschlaggebend für Erfolg in der Elektromobilität“
  • Ein Center of Competence soll Zell-Know-how sichern

Strategiepfeiler 1: Alleinstellungsmerkmal System-Know-how

BOSCH sieht sich als eher als Generalist mit übergreifenden System-Ansatz in Sachen Elektromobilität. Bei den Komponenten setzt das Unternehmen auf sein umfangreiches System-Know-how, mit dem es alle Komponenten im Antriebsstrang intelligent verbindet.

Strategiepfeiler 2: Energieeffizienz als oberstes Entwicklungsziel

Dieses intelligente Zusammenspiel zielt letztlich auf eine noch höhere Reichweite von Elektrofahrzeugen. Und nur, wenn diese erhöhte Reichweite auch bezahlbar bleibt, wird Elektromobilität ihren Durchbruch erleben. Schon jetzt sieht BOSCH seine Elektromotoren und seinen elektrischen Achsantrieb als Benchmark bei der Energieeffizienz. Ein wichtiger Punkt hierbei dürfte die Weiterentwicklung von Thermomanagement-Systemen sein, die die Reichweite von Elektrofahrzeugen um bis zu 20 Prozent erhöhen könnten.

Strategiepfeiler 3: Standardisierung sorgt für Schnelligkeit

Das Unternehmen prognostiziert, davon aus, dass 2025 mehr als 15 Prozent, 2030 bereits fast 30 Prozent aller Neufahrzeuge Hybride oder Elektroautos sein weden. In der Standardisierung von Komponenten und Systemen unterschiedlichster Anbieter elektromobiler Mobilität sieht BOSCH die Grundlage für skalier- und bezahlbare Elektromobilität für den Massenmarkt. Aktuelles Beispiel hierfür: die BOSCH eAchse, die BOSCH bereits an ein breites Kundenspektrum aus etablierten Anbietern wie auch Start-ups verkauft.

Zu teuer, zu riskant: Absage an eigene Batteriezellenproduktion

Alleine die Anfangsinvestition in eine wettbewerbsfähige und marktrelevante Zellfertigung würden sich auf laut BOSCH rund 20 Milliarden Euro belaufen. Mit dieser Summe ließen sich Fertigungskapazitäten von rund 200 Gigawattstunden aufbauen. Das entspräche einem Marktanteil von 20 Prozent und damit einer führenden Marktposition. Zu den hohen Anfangsinvestitionen kämen aber Betriebskosten in Milliardenhöhe. Zudem entfielen drei Viertel der Herstellkosten auf Materialkosten. In nur einem geringen Anteil der Wertschöpfung könnten also Wettbewerbsvorteile erarbeitet und ausgespielt werden. Mit Blick auf die dynamischen und nur schwer vorhersagbaren externen Marktfaktoren bliebe offen, ob und wann sich diese Investition für Bosch rechnen würde. Eine solch risikobehaftete Investition sei damit im Gesamtinteresse des Unternehmens nicht vertretbar.

Ende der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von BOSCH-Tochterunternehmen Lithium Energy and Power GmbH & Co KG

Im selben Kontext erklärte BOSCH die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten des Gemeinschaftsunternehmens Lithium Energy and Power GmbH & Co. KG (LEAP) für beendet. Diese war 2013 als Joint Venture mit dem japanischen Unternehmen GS Yuasa International Ltd. (Kyoto) und der Mitsubishi Corporation (Tokyo) gegründet worden.

Opposition zur Bundesregierung und EU

Pikanterweise begibt BOSCH sich laut heise.de mit seiner Entscheidung contra eigener Batteriezellenproduktion in Opposition zur Sichtweise der Bundesregierung und auch der Europäischen Union, die den Batteriezellenmarkt nicht den derzeit dominierenden asiatischen Herstellern überlassen wollen. Erst kürzlich hatte die EU signalisiert, die Entwicklung leistungsfähiger Batterien für Elektroautos beschleunigen zu wollen.

Mehr zur Elektromobilität bei BOSCH findet man im BSCH-Webspecial.


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