Der Berg ruft, der Uphill Flow groovt – eMoutainbiken und seine Folgen

29.07.2017 10:40

Mit das Ödeste, was man sich als Kind vorstellen konnte, war, die Eltern zum Wandern in die Berge begleiten zu müssen. Und heute?

Heute schwärmen wir vom „Uphill Flow

Vom Mountainbiken zum Motocross

Keine Frage, es zieht uns wieder in die Berge. Wo es früher hieß, „der Berg ruft“, ist es heute der „Uphill Flow“, der groovt. Dank immer neuer technischer Entwicklungen (man denke nur an den fast schon allgegenwärtigen eMTB-Modus und die Performance Line CX von BOSCH) können auch die anspruchsvollsten Anstiege auf Wald- und Wiesenwegen bewältigt werden, die früher nur Wanderern vorbehalten waren bzw. unmotorisiert schlichtweg nicht befahrbar waren. Das Mountainbiken, einst Domäne halbstarker Jungs, hat sich in Form des eMountainbiken zur Trendsportart gemausert. Oder wie es der pressedienst-fahrrad.de formuliert: „Mountainbiken wird zum Motocross – aber ohne Lärm und mit mehr Naturerlebnis.“

Vom Kuriosum zum Konsumgut in gerade mal fünf Jahren

Als im Jahr 2012 auf der tonangebenden Eurobike-Messe ein erstes eMTB auftauchte, wurde es noch als Kuriosität belächelt. Doch mittlerweile mussten sich die Fahrradhersteller auf die steigende Nachfrage ganz unterschiedlicher Käufergruppen einstellen, indem sie ein breitgefächertes Angebot an eMTBs führen: von  vollgefederten Touren-eMTBs über eFullys zum schnellen Bergauffahren bis zu eDownhillern für den Bergab-Thrill.

Interessanterweise ist es, anders als in Prä-eMTB-Zeiten, nicht das auf-den-Berg-Kommen, dass die meisten Probleme macht, sondern das wieder Runterkommen. Steile Abwärtspisten überfordern so manchen überambitionierten Neu-eMTBler.

90.000 Mal bitte Rücksicht

90.000 Elektro-Mountainbikes wurden 2016 in Deutschland verkauft. Das bedeutet, dass von den 605.000 eBikes auf Deutschlands Wegen rund 15 Prozent bergtauglich sind.

Und so kommt es, dass sich zum Beispiel in der jüngsten Ausgabe des Deutscher-Alpenverein- Mitgliedermagazins Panorama die Bitte „um Rücksicht gegenüber anderen Bergbesuchern“ einschleicht.

Von Kuhattacken und Kulanzen

Beim österreichischen Pendant, dem Österreichischen Alpenverein, ist man bereits um Abgrenzung bemüht: Wanderwege sollen Wanderwege bleiben und nicht als eBike-Trails zweckentfremdet werden. Und der Österreichische Rundfunk (ORF) konstatiert, dass es mit dem eBike-Boom „langsam eng im Gebirge“ wird. Mit der steigenden Zahl der eBiker steige auch das Konfliktpotenzial. Nicht nur mit Wanderern: Almbauern berichten von Attacken irritierter Kuhherden.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich an ausgewiesene, legale Mountainbike-Strecken halten. Oder gleich spezielle Uphill-Trails aufsuchen (der erste in Deutschland wurde kürzlich im Bayerischen Wald eröffnet).

Und so verhält es mit der Trendsportart eMountainbiken letztlich wie mit jeder anderen Sache: ohne Rücksichtnahme geht gar nichts. Wenn das Miteinander mit anderen Bergnutzern (Wanderer, Bauern) funktioniert, braucht es auch keine Verbote oder Sperrungen.