ADFC rückt Geschützte Radfahrstreifen in den Fokus

06.10.2018 07:48

Gäbe es ein Buzzword-Bingo für Biker, stünden sie drin: „Protected Bike Lanes“

Weniger Platz für Autos – und dennoch kein Verkehrsinfarkt?

Politisch gesehen liefert Trump-Amerika derzeit genügend Stoff für Kontroversen. Verkehrspolitisch kann man indes (noch?) von den USA lernen. Der ADFC verweist auf Städte wie New York, Chicago und Seattle – alles ausgesprochene Auto-Städte, in denen seit Anfang der 2000er komplette Autospuren mittels grüner Markierungen und Pollern für den Radverkehr frei gemacht wurden. Und das, ohne dass die Eingriffe zum Kollaps des Autoverkehrs geführt hätten.

Lasst Blumen sprießen, wo vorher Autos fuhren!

Diese derart geschützten Radfahrstreifen, auf englisch Protected Bike Lanes oder kurz PBL, sollten mindestens zwei Meter Breite aufweisen. Eine aufgemalte Pufferzone von mindestens 85 cm soll für Sicherheit sorgen. Darüberhinaus bedient man sich mobiler Barriere-Elemente wie Blumenkübel. Poller oder anderer Betonelemente, um die Spur vor dem Überfahren oder Zugeparkt werden zu schützen.

Der Vorteil dieser Methode gegenüber gebauten Radwegen liegen auf der Hand: Kommunen können sie günstig und schnell umsetzen – und bei Bedarf geänderten Bedingungen anpassen.

Visualisierung PBL in Berlin. © SenUVK/Visualisierung BloomImages

Visualisierung PBL in Berlin. © SenUVK/Visualisierung BloomImages

Geschützte Radfahrstreifen in Deutschland

Die erste PBL in Deutschland gibt es seit kurzem in Osnabrück. Die Stadt Berlin will im Rahmen des neuen Mobilitätsgesetzes großflächig geschützte Radspuren an Hauptachsen anlegen. Dabei stagniert der Radverkehrsanteil in Deutschland seit Jahren bei etwa 11 Prozent, im Vergleich zu 16 Prozent in Dänemark und satten 27 Prozent in den Niederlanden. Anders gesagt: „In den Niederlanden wird jeder dritte Weg mit dem Rad zurückgelegt, in Deutschland nur jeder zehnte“, so ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Geschützte Radwege könnten hier mit vergleichsweise geringen Investitionen Abhilfe schaffen. Dafür setzen sich mehr und mehr Bügerinitiativen mit zum Teil witzigen Interventionen ein.

Der ADFC zu PBL

Experten-Informationen zu PBL findet man im ADFC- Positionspapier „Geschützte Radfahrstreifen“. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 170.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit.